Published On: Mai 25th, 20211490 words7.5 min read

Ping Pingu sitzt in seinem Zimmer und schaut aus dem Fenster. Draußen wirbeln Schneeflocken vorbei. Vom Dach hängen kleine Eiszapfen herab. Er beobachtet ungeduldig den kleinen Weg, der zu dem Pinguinhaus führt. Familie Pingu möchte zusammen mit Großtante Bella den Bochumer Weihnachtsmarkt besuchen. Da kommt Bella auch schon die Straße entlanggeeilt. Sie trägt einen dicken Mantel mit Leopardenfellmuster, pinke Stiefel und einen Jutebeutel auf dem groß steht „Watt willste?“. Zwar kleidet sich Tante Bella ausgefallen und hat eine ruppige Art, aber Ping mag sie sehr gerne. Sie bringt ihm bei jedem Besuch eine kleine Tüte Bonbons aus ihrer Bude mit und erzählt viele aufregende Geschichten aus vergangenen Zeiten.

Ping flitzt die Treppe runter und zieht sich an, während die Erwachsenen sich begrüßen. Er hat sich sein orangenes Lieblingsshirt mit den weißen Punkten ausgesucht, denn für Pinguine sind T-Shirts genauso warm wie eine Jacke. Unten stupst er ungeduldig seine Eltern an, damit es endlich losgehen kann. Sein Vater zieht seine Brüder und Schwestern an und Ping beobachtet seine Mutter, die sich mit Tante Bella unterhält. Er kann beim besten Willen nicht verstehen, warum Erwachsene gerade dann über langweilige Dinge reden müssen, wenn die Familie einen Ausflug geplant hat und eigentlich schon alle in den Startlöchern stehen.

Als es endlich losgeht, ist es draußen schon dunkel geworden. Ping liebt die Weihnachtszeit und ganz besonders den Weihnachtsmarkt. Die ganze Stadt ist mit Lichtern, leuchtenden Figuren und Tannenbäumen geschmückt. An jeder Ecke riecht es nach leckerem Essen, mal nach gerösteten Mandeln oder Crêpe, an einer anderen Ecke nach Reibeplätzchen und gebratenen Champignons. Aus den Buden erklingen die schönsten Weihnachtslieder und in der Ferne hört er einen Kinderchor singen. Egal wo er hinschaut, sieht er fröhliche und gut gelaunte Tiere. Als erstes spendieren seine Eltern den Kindern eine Fahrt auf dem Karussell. Während seine Geschwister die Rakete und das Feuerwehrauto des Kinderkarussells besetzen, darf er eine Runde auf dem Kettenkarussell drehen. Er ist ja schließlich schon ein Schulkind. Nach der Karussellfahrt geht es weiter zum Riesenrad. Da seine Geschwister Höhenangst haben, beschließen Tante Bella und Ping allein zu fahren. Die Gruppe beschließt sich später wiederzutreffen und zusammen den Weihnachtsmann zu besuchen.

Von oben haben die beiden eine wunderbare Aussicht über die Straße. Die anderen Tiere sehen so klein wie Spielzeugfiguren aus. Überall entdecken sie leuchtende und glitzernde Stände und über ihnen strahlt der Sternenhimmel. Von hier oben können sie sogar den Märchenwald sehen. Doch da entdeckt Ping plötzlich etwas. Er reibt sich die Augen, um es genauer erkennen zu können. Mitten im Märchenwald liegt ein rotes Ding, von dem ein silbriges Schimmern ausgeht. Das muss Ping genauer untersuchen. Als das Riesenrad am Boden angekommen ist, zieht er seine Tante Bella direkt in den Märchenwald. Während sie versucht, sich mit dem gestiefelten Kater zu unterhalten, sucht Ping die Stelle, an der er das rote Ding gesichtet hat. Und wirklich, ein Stück weiter, neben den sieben Zwergen, sieht er es: Auf dem Boden liegt eine rote Mütze mit einem weißen Bommel! Er hebt sie auf und untersucht sie genauer. Von dem weichen Stoff geht ein silbriger Glanz aus, als würde die Mütze leuchten. Sie sieht richtig kuschelig aus und so setzt er sie kurzerhand auf den Kopf. Beim Aufsetzen verspürt er ein leichtes Kribbeln, was er jedoch nicht weiter beachtet.

Tante Bella scheint ihre Unterhaltung aufgegeben zu haben und kommt zu Ping herüber. „Was hältst du davon, wenn wir jetzt erstmal eine Runde tanzen?“, fragt sie ihn mit einem breiten Grinsen. Ping freut sich. Mit Tante Bella wird es wirklich nie langweilig. Sie steigen die Treppe zur alten Kirche hinauf und landen auf dem Mittelaltermarkt. Dort haben sich viele Tiere um eine kleine Bühne herum versammelt. Gerade beginnt ein großer zotteliger Hund mit Schottenrock und Dudelsack ein mittelalterliches Lied zu spielen. Kurz darauf stimmt eine kleine Ziege mit ihrer Flöte in die Melodie mit ein. Und als dann auch noch ein großer Bär anfängt, rhythmisch seine große Trommel zu schlagen, kennt die Menge kein Halten mehr. Alle fangen an zu tanzen und zu hüpfen. Bella nimmt Ping auf die Schultern und springt mit den anderen wild umher.

Aus Versehen stößt seine Tante gegen einen großen Löwen. Dieser dreht sich verärgert um und setzt gerade an, um die beiden anzumeckern. Da sieht er den kleinen Pinguin mit seiner glänzenden Mütze und lächelt ihn stattdessen freundlich an: „Ich hoffe, ihr beiden habt viel Spaß und wünsche euch noch einen schönen Abend.“ Ping und Bella wundern sich etwas, doch da beginnt schon das nächste Lied.

Bevor sie zu ihrem Treffpunk müssen, haben sie noch etwas Zeit entlang der Hütten zu schlendern. Ping bewundert gerade ein paar schöne Holzspielzeuge, als er hört, wie sich Tante Bella einen Stand weiter mit einem mürrischen Verkäufer streitet. Er geht zu ihr und sieht, dass sie ein knallrotes Halstuch in der Hand hält. Sie scheinen heftig über den Preis des Tuches zu diskutieren. Als der Verkäufer Ping entdeckt, wird er still und starrt auf Pings Mütze. Er beginnt zu lächeln und wendet sich an Bella: „Ich weiß zwar, dass ich gerade noch gesagt habe, ich verhandle nicht über Preise, aber es ist ja bald Weihnachten. Ich gebe dir das Tuch für 10 Euro und dem jungen Mann da vorne schenke ich ein Paar von den bunten Wollsocken.“ Bella wundert sich über den plötzlichen Sinneswandel des Verkäufers, freut sich aber über das Tuch und reicht Ping ein Paar blau-weiße Ringelsocken.

Als sie sich ihrem Treffpunkt nähern, entdecken sie Pings Eltern und Geschwister zusammen mit vielen anderen Tieren hektisch über den Platz laufen. Es scheint so, als würden sie etwas suchen. Pings Vater erblickt die beiden und läuft aufgeregt auf sie zu: „Gut, dass ihr da seid, wir suchen die Mütze des Weihnachtsmannes. Als er mit seinem Schlitten gelandet ist, hat ihm eine Windböe seine Mütze weggerissen. Wir haben schon den ganzen Platz abgesucht, aber können sie einfach nicht finden. Jetzt sitzt er verzweifelt auf der Bühne und weiß nicht weiter.“ Als er die beiden anschaut, beginnt er zu lächeln: „Aber jetzt, wo ihr beiden da seid, wird bestimmt alles gut.“

Da hat Ping eine Idee. Er fasst an die silbrig schimmernde Mütze auf seinem Kopf und fängt an zu grinsen. Schnurstracks geht er zu der großen Bühne, auf der der traurige Weihnachtsmann sitzt. Als er den kleinen Pinguin mit der roten Bommelmütze entdeckt, richtet er sich auf und strahlt plötzlich über das ganze Gesicht: „Was trägst du denn da auf dem Kopf? Ist das etwa meine Mütze? Das kann doch nicht wahr sein! Wo hast du sie nur gefunden?“. Ping erzählt von seinem Fund im Märchenwald, zieht die schimmernde Mütze vom Kopf und reicht sie dem Weihnachtsmann. Dieser nimmt den kleinen Pinguin kurzerhand in den Arm und drückt ihn. „Du glaubst gar nicht, wie dankbar ich bin. Ohne diese Mütze wäre ich verloren. Hast du gemerkt, dass sie Zauberkräfte hat? Sie trägt die Zauberkraft des Weihnachtsfestes in sich und bringt Freude in die Herzen. Sie lässt allen Ärger und Hass verschwinden, so dass jeder sein Weihnachtsfest genießen kann. Ich bin so froh, sie wieder zu haben, denn bald muss ich ja schon damit anfangen, die Geschenke zu verteilen. Und ich möchte auch dieses Jahr dabei ganz viel Freude verschenken! Ich glaube, du hast dir jetzt eine Belohnung verdient, kleiner Pinguin.“ Der Weihnachtsmann geht zu einem großen braunen Sack auf der Bühne und kramt eine Weile darin herum. Schließlich zieht er eine rote Pudelmütze hervor. Er reicht sie Ping und sagt: „In dieser Mütze ist auch ein Zauberwollfaden verwoben. Sie wird dich warmhalten und dafür sorgen, dass du die Dinge immer positiv mit viel guter Laune sehen kannst. Aber jetzt habe ich noch eine Frage an dich. Magst du eigentlich kandierte Äpfel?“ Ping nickt, nimmt die rote Mütze entgegen und bedankt sich für das wunderbare Geschenk.

Gemeinsam sitzen der Weihnachtsmann, Familie Pingu und Tante Bella noch lange zusammen und trinken Glühwein und Kinderpunsch. Ping bekommt eine Tüte gebrannte Mandeln und einen großen kandierten Apfel. Während er die Nüsse knabbert, bewundert er noch einmal seine neue Mütze, die ihn noch lange an diesen aufregenden Abend erinnern wird.

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